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Am Anfang stand die Idee, die der damalige Leiter des Funkamtes Oranienburg, Günter Wenzel, hatte: Er war der Meinung, in Zehlendorf ist auf kulturellem Gebiet überhaupt nichts los! Wie recht er hatte. Man müsste eine Musikgruppe gründen! Die Idee war natürlich erst mal gut, es galt sie nur in die Tat umzusetzen. Aber woher die geeigneten Leute, die erforderlichen Instrumente und geeignetes Notenmaterial nehmen? Hier hatten wir in Horst Giersberg, dem stellvertretende Funkamtsleiter einen eifrigen Verfechter für die Blasmusik, der sich dann mit Ulrich Tietz gemeinsam auf die Suche begab. Sie wurden auch fündig und im Herbst 1973 war es dann soweit:
Es fanden sich sieben musikbegeisterte Männer, dazugehörige Instrumente und auch einige für Anfänger spielbare Noten. Jetzt hätte es ja losgehen können, wenn da nicht noch eine wichtige Frage zu klären wäre: Wer übernimmt die musikalische Leitung? Mehr oder weniger durch Zufall erfuhren wir, dass in Schmachtenhagen ein ehemaliger Militärmusiker wohnt, der für diese Aufgabe geeignet war. Mit viel Überredungskunst gelang es uns, ihn von unserem Vorhaben zu überzeugen. So wurde Werner Röse unser erster musikalischer Leiter. Die organisatorischen Belange und somit auch die Gesamtleitung übernahm Horst Giersberg und als Trägerbetrieb (Sponsor) fingierte das Funkamt Oranienburg.
Es begann eine harte Zeit des theoretischen und praktischen Unterrichts, denn wir wollten so schnell wie möglich an die Öffentlichkeit treten. Am 1.Mai 1974 war es dann soweit! Mit vier einstudierten Kampfliedern umrahmten wir die Maifeier auf dem Dorfplatz in Zehlendorf. Wir waren stolz wie Oskar und die anwesenden Kundgebungsteilnehmer waren begeistert.
Nun ging es Schlag auf Schlag. Unser Repertoire erweiterte sich, es stießen immer mehr Jugendliche (die Kinder der Gründungsväter) zu uns. So wurden aus anfänglich sieben Gründern 16 vollwertige Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder stieg dann bis 1980 auf gigantische 35 an.
Bedingt durch die Einzigartigkeit dieses Blasorchesters – alle Amateurmusiker und im Alter zwischen 8 bis 55 Jahren – waren wir eine Institution im damaligen Kreis Oranienburg und ein Dorn im Auge des ehemaligen K(r)ampfgruppenblasorchesters Oranienburg. Auch damals galt schon: Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Vielzahl der Auftritte, die wir übers Jahr hatten, gingen von Dorffesten bis hin zum alljährlichen Höhepunkt, den damals unheimlich beliebten Karnevalsveranstaltungen, die dann auch zur Tradition wurden.
Im Jahr 1984 verließ uns unser musikalischer Leiter und Matthias Müller, ebenfalls ein ehemaliger Militärmusiker, übernahm die Stabführung. Mit ihm gemeinsam fuhren wir viermal in die damalige CSSR, nach Cheski Brod, wo wir mit einem befreundeten Blasorchester gemeinsame Auftritte gestalteten. Diese wurden natürlich durch Gegenbesuche erwidert. Leider verstarb Herr Müller viel zu früh, so dass wir wieder ohne musikalischen Leiter auskommen mussten. Notgedrungen, um das Blasorchester am Leben zu erhalten, übernahm Herr Tietz, erster Trompeter im Orchester, die Proben und auch einige Auftritte. Werner Röse erklärte sich später bereit, die musikalische Leitung wieder zu übernehmen.
Nach der Wende 1989/99 wurde das Funkamt Oranienburg abgewickelt und damit verloren wir unseren langjährigen und treuen Sponsor. Viele Blasorchestermitglieder verließen uns aus persönlichen und beruflichen Gründen und Auftritte gab es auch so gut wie keine mehr. Das Blasorchester stand kurz vor dem Aus. Die wenigen restlichen Mitglieder blieben zusammen und versuchten, das Orchester am Leben zu erhalten.
Zur gleichen Zeit leitete Jürgen Giersberg, ehemaliges Gründungsmitglied des Blasorchesters Zehlendorf, ein anderes Blasorchester in Berlin, das vorrangig aus jungen Musikern bestand. Auch dieses Orchester litt unter Mitgliedermangel.
Jürgen Giersberg zählte Eins und Eins zusammen: Mit viel Mut, Zuversicht und persönlichem Engagement jedes einzelnen Musikers gelang zwischen 1992 und 1995 der allmähliche Zusammenschluss der beiden Orchester. Mit der Gründung des Vereins „Blasorchester Zehlendorf e.V.“ 1995 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Obwohl inzwischen viele Berliner dem Blasorchester beigetreten sind, gibt es weiterhin eine enge Bindung zum Zehlendorfer / Oranienburger Raum. Einige Mitglieder nehmen jeden Dienstag die weite Fahrt von dort nach Prenzlauer Berg auf sich, um bei den Proben dabei zu sein. Andererseits freuen sich die Berliner Mitglieder auf die regelmäßigen Konzertausflüge ins schöne Berliner Umland.
Vom alten Militärton ist übrigens nichts mehr übrig geblieben, außer wenn die "Rasselbande" (besser "Blechbande") mal wieder nicht zur Ruhe kommt. Dann erhebt der Orchsterleiter mit ernstem Gesicht seinen Taktstock und seine Augenbraunen und sofort ist Ruhe.
Jürgen Giersberg gibt den Einsatz zum nächsten Rock 'n' Roll und ab gehts...